Herzöge von Mailand

 

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1430-1488 - dunkle Zeiten

Das Buch "Der Triumph der Visconti" beginnt 1430. Noch regiert Filippo Maria Visconti, von seinen Untertanen viel mehr gefürchtet denn verehrt. Bonifazio Bembo verliert durch die Schergen des Herzogs, der diese Nachts und von wilden Hunden begleitet durch die Mailänder Straßen streifen lässt, seine Mutter und seine Schwester. Der Tod ist in diesen Jahren allgegenwärtig in der Dunkelheit und so rufen die Mailänder bereits am Todestag Filippo Maria Viscontis, am 14. August 1447, die "Ambrosianische Republik" aus. Einen neuen grausamen Herzog wollen sie nicht mehr.

Dennoch beginnt ein kräftezehrendes Ränkespiel einiger mächtiger Herrscher der Zeit um die Vorherrschaft in Mailand. Der Condottiere Francesco Sforza, verheiratet mit der unehelichen Tochter des letzten Visconti-Herzogs, Bianca Maria Visconti, kann sich schließlich durchsetzen und hält 1450 einen triumphalen Einzug als erster Sforza-Herzog in Mailand. Verrat und Verschwörung nehmen dennoch kein Ende. Und Bonifazio Bembo findet sich mitten in einem Komplott wieder, in dem seine Tarotkarten eine tragende Rolle spielen.

Der Roman "Der Triumph der Visconti" spannt damit einen Bogen über mehrere Jahrzehnte Mailänder Geschichte, in denen auch die Tarotkarten erfunden und kreiert wurden.

 


 

Filippo Maria Visconti - 1392-1447, letzter Visconti-Herzog von Mailand. Die Entstehungszeit des Visconti-Sforza-Tarots fällt in seine Regierungszeig, trotzdem zeigen die Karten sowohl heraldische Embleme der Sforzas, als auch der Familie Visconti. (Die gekrönte Visconti-Schlange, ein Symbol der Langobarden, findet sich auch im Emblem der Firma "Alfa Romeo" wieder, wobei die Firma selbst auf die Visconti-Herkunft verweist). Die Visconti-Herzöge galten alle als grausam und Filippo Maria machte hier keine Ausnahme. Er überwarf sich mit dem Papst (Eugen IV), schickte seinen besten Condottiere, Francesco Sforza, nach Rom, um den Kirchenstaat zu erobern. Sforza gelangt es auch, Rom einzunehmen, der Papst musste fliehen und Filippo Maria Visconti wollte sich die Gunst seines Condottiere dadurch sichern, dass er ihm die Hand seiner damals erst 6jährigen unehelichen Tochter (mit Agnes del Maino) Bianca Maria versprach (Hinweis: Im Roman "Der Triumph der Visconti" ist Bianca Maria zum Zeitpunkt der Verlobung bereits 13 Jahre alt - um den Fluss der Ereignisse für die Prosa in Gang zu halten). Er wollte dieses Versprechen ebenso schnell wieder lösen, verärgerte den Condottiere, der auf die Seite Venedigs wechselte und gen Mailand zu ziehen drohte und hatte auch nicht mit dem eisernen Willen Bianca Marias gerechnet, die den Condottiere verehrte (wie ein großer Rest Italiens ebenso). Die Hochzeit 1441 konnte er nicht verhindern, aber er setzte den König von Neapel als seinen Thronfolger ein. Filippo Maria Visconti wurde in seinen späteren Jahren zunehmend beleibter, sein Augenlicht nahm stetig ab und am Ende seines Lebens wagte er sein Bett nicht mehr zu verlassen - er fühlte sich von Verrätern und Mördern umgeben. Möglicherweise zu Recht. Zeit seines Lebens verließ er sich auf den Rat seiner Astrologen, unternahm nichts, wenn es dem Lauf der Sterne widersprach, verließ das Castello fast nie und wenn - dann nur durch unterirdische Gänge, verborgen von überdachten Brücken oder aber auf dem Naviglio Grande zu Schiff. Da die beiden vor ihm regierenden Visconti-Herzöge umgebracht wurden, wohl ein weiser Entschluss aus seiner Sicht. Als er im August 1447 während eines verheerenden Unwetters starb (s. dazu auch Die Visconti-Sforza-Karten, Der Turm), löste sein Tod einen Freudentaumel in der Bevölkerung aus. Am Morgen danach machten sich die Mailänder mit Spitzhacken und Schaufel bewaffnet auf, das Castello zu schleifen.

 

Francesco Sforza - 1401-1466, er wuchs in der Armee seines Vaters, dem Condottiere (Heerführer) Muzzio Attendolo Sforza auf. lernte das Kriegs"handwerk" von Kindesbeinen an. Als sein Vater 1424 bei der Überquerung eines Flusses (er wollte einen Pferdeknecht retten) ertrank, übernahm Francesco Sforza die Führung über das Heer - von seinen Männern verehrt und geliebt. Zunächst stand er in den Diensten Neapel-Siziliens, trat aber 1425 in die Dienste Filippo Maria Viscontis. Die Verlobung mit der Tochter des Herzogs sollte eine Anerkennung darstellen, aber der Herzog löste die Verbindung immer wieder, bis sich Francesco Sforza auf die Seite Venedigs schlug. 1441 fand die Hochzeit schließlich doch statt. Als Filippo Maria Visconti starb, riefen die Mailänder die Ambrosianische Republik aus und der Weg zum Herzogsthron schien verschlossen. Francesco Sforza aber tat einen findigen Schachzug - er stellte sich auf die Seite der Mailänder, verteidigte mit seinem Heer die Stadt gegen Venedig, Neapel, Frankreich und Savoyen. Als die Rivalitäten innerhalb des Mailänder Adels überhand nahmen, kesselte er die Stadt ein, schnitt die Lebensmittelversorgung ab. Allerdings lag es nicht nur an der katastrophalen Hungersnot, dass die Mailänder schließlich dem Condottiere die Tore der Stadt öffneten: sie waren auch die Machtkämpfe innerhalb des Adels satt, verlangten nach einem neuen Herzog. Francesco Sforza, dessen Ruf als gerechter Mann legendär war, schien dafür geeignet, zudem er mit Bianca Maria Visconti verheiratet war. Diese Verbindung tröstete über den Mangel Sforzas hinweg - schließlich kam er aus einer armen Familie. Die Mailänder hatten mit Sforza recht getan: er regierte gerecht und vorausschauend, brachte der Stadt Wohlstand und Frieden - an seiner Seite Bianca Maria Visconti, die mehr als "nur" Ehefrau, sondern auch Beraterin in allen Fragen der Staatsangelegenheiten war. Nur eines schaffte Francesco Sforza nicht: er konnte das grausame Erbe der Viscontis, das in den Adern seiner Kinder floss, nicht unterdrücken. Er starb überraschend 1466 - und das Gerücht, seine eigene Frau hätte ihn vergiftet (aus Eifersucht), hielt sich hartnäckig.

 

Bianca Maria Visconti - 1425-1468, sie war mit einem eisernen Willen ausgestattet, ansonsten hätte sie ihre Kinder- und Jugendjahre nicht überstanden. Der Vater, Filippo Maria Visconti, hatte sich von seiner Mätresse Agnes del Maino einen Sohn gewünscht, die Tochter konnte er nicht lieben. So verbrachte Bianca Maria Visconti die ersten 16 Jahre ihres Lebens in ewiger Gefangenschaft - hauptsächlich im Castell di Abbiategrasso, kurzfristig im Castell du Cusago. Sie floh in die Welt der Bücher und der Bildung und wuchs zu einer humanistisch gebildeten Frau heran. Als sie mit Francesco Sforza verlobt wurde, löste dies in ihr keinen Widerstand aus - im Gegenteil - sie verehrte den beinahe 40 Jahre älteren Mann mit Hingebung, sah in ihm eine zweite Artusgestalt und setzte schließlich auch die Hochzeit durch, die ihr Vater zu hintertreiben suchte. Mit eisernem Willen, frei von Vorurteilen und vor allem mit Hingabe regierte sie schließlich an der Seite ihres Mannes Mailand, als dieser die Stadt (für sich) eingenommen hatte. Bianca Maria Visconti gilt als erste Landesmutter Europas. Das Volk verehrte sie ob ihrer Güte, Weisheit und Mildtätigkeit. Sie selbst liebte Francesco Sforza innig, stand ihm als Beraterin zur Seite und die Legende berichtet, dass sie in Männerkleidern in das Heerlager schlich, um ihrem Mann nahe zu sein. Diese große Liebe war es auch, die sie enorm leiden ließ. Sforza hatte mehr als nur eine Mätresse, die Zahl seiner unehelichen Kinder ist ungewiss, aber zweistellig. Als Sforza unvermutet starb, machte das Gerücht, Bianca Maria hätte ihn vergiftet sofort die Runde. Ihr Sohn, Galeazzo Maria, schenkte dem Gerücht zu gerne Glauben (wollte er sich doch von der Mutter nicht in Regierungsangelegenheiten reinreden lassen) und schickte seine Mutter ins Exil nach Cremona. 1468 ließ sie der Sohn wieder nach Mailand zurück - wo sie unvermutet und völlig überraschend im Alter von nur 43 Jahren starb. (Auch hier setzte sich sofort ein Gerücht hartnäckig fest: es hieß, Galeazzo hätte seine eigene Mutter vergiften lassen)

 

 

Galeazzo Maria Sforza - 1444-1476, obwohl er durch seine Eltern eine humanistische und vor allem sehr liebevolle Erziehung genoss, entwickelte er sich zum Sprößling der Viscontis. In ihm lebte das grausame Erbe der Viscontis weiter - unbeherrscht und rachsüchtig, aufbrausend und egomanisch unterdrückte er seine Mitwelt. Als sein Vater, Francesco Sforza, 1466 starb, übernahm Galeazzo als ältester Sohn die Regierung, wurde der zweite Sforza-Herzog von Mailand. Er führte den Reisanbau in der Lombardei ein, ließ das Castello prächtig ausbauen, holte humanistische Künstler an den Mailänder Hof. Der Mailänder Hof wurde in diesen Jahren zu einem der prächtigsten in ganz Italien. Dennoch sah das Volk mehr die Verschwendungs- und Geltungssucht im neuen Glanz, denn das humanistische Erbe seiner Eltern. Zudem erhöhte er die Steuern so empfindlich, dass er damit beinahe den Volkszorn auf sich zog. Hin und hergerissen zwischen Sforzas und Viscontis brachte er Mailand Wohlstand und Reichtum und gleichzeitig Angst und Schrecken. Handelten seine Freunde oder Untergebenen nicht nach seinem Willen, fanden sich diese sehr schnell in den berüchtigten Kerkern des Mailänder Castellos wider - lebendig bis zum Kopf eingegraben, mit abgehackten Gliedmaßen oder anderweitig verstümmelt. Wie sein Vater hatte er zahlreiche Affären, eine davon über viele Jahre hinweg. Mit Lucrezia Landiano, der Frau eines einflussreichen Mailänder Bürgers, verband ihn mehr als nur Wollust - aus der Verbindung ging die berühmte Caterina Sforza hervor. Seine Frau, Bona von Savoyen, hingegen, bat nach seinem Ableben den Papst um die Vergebung der Sünden ihres Mannes ... Der Schrecken, den er verbreitete, zog schließlich auch seine Ermordung nach sich. Drei seiner engsten Freunde ermordeten ihn am Stefanstag 1476 beim Betreten der Kirche.

 


 

Bildergalerie

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Bianca Maria Visconti, gemalt von Bonifazio Bembo

Francesco Sforza, gemalt von Bonifazio Bembo

Galeazzo Maria Visconti

Italienkarte, Renaissance

Der Tod Muzio Attendolos (1424), Vater von Francesco Sforza

 

Der Einzug Francescos Sforzas in Mailand, 1450

 

Der Wiederaufbau des Castellos unter Francesco Sforza

Der glanzvolle Hof Galeazzo Maria Sforzas

Filippo Maria Visconti mit einem seiner Astrologen