Geschichte
des Tarot
Verlauf
der Geschichte des Tarot
Auch
wenn die Ursprünge des Tarot sehr im dunkeln liegen,
kann man den Verlauf des Triumphzuges der Karten bis in
die italienische Renaissance (möglicherweise auch noch
weiter) zurückverfolgen. Als gesichert gilt mittlerweile,
dass der Tarot in seinen Ursprüngen nicht zu Wahrsagezwecken
entworfen bzw. verwendet wurde. Wahrsager verwendeten im
Mittelalter sogenannte "Losbücher", die ihre
Ursprünge wiederum in römischen Orakelsprüchen
und im keltisch-germanischem Runenwerfen fanden.
Wahrsagen
oder Kartenspiel?
Der
Tarot wurde höchstwahrscheinlich als "normales"
Kartenspiel entworfen und sollte möglicherweise auch
der meditativen Erbauung dienen, da auf den Karten allegorische
Figuren, Mahnungen, Tugenden und Laster in der gängigen
Vorstellung der Zeit abgebildet wurden.
Der
Öffentlichkeit war der Tarot seit Mitte des 17. Jh.
als Kartenspiel sehr gut bekannt. 1622 soll der Tarot in
Frankreich häufiger gespielt worden sein als Schach,
trotzdem setzt die Tarotforschung erst sehr spät mit
Samuel Weller Singer im Jahre 1816 ein. 1848 veröffentlichte
W. A. Chatto eine Arbeit über den Tarot. Beide nahmen
einen indischen Ursprung der Tartokarten an.
Diese
Ansätze wurden im Lauf der Zeit immer wieder aufgenommen,
erweitert, aber nie bewiesen.
Andere
Forscher sehen im Gringonneur-Spiel die ersten Tarotkarten
überhaupt. 17 von Hand bemalte Karten befinden sich
in der Bibliotheque Nationale, darunter auch einige Tarottrümpfe.
Man nimmt an, es handelt sich bei diesen um die Karten,
die im Schatzbuch von Charles VI. von Frankreich unter einer
Zahlung an einen Maler namens Jaquemin
Grongonneur erwähnt werden: "... für
drei Kartenspiele, vergoldet und gefärbt und vielfältig
geschmückt."
In
seinem "Bilderschlüssel zum Tarot" äußert
A. E. Waite im Jahr 1910, dass die
Karten höchstwahrscheinlich nicht von Gringonneur im
Jahr 1392 in Frankreich gemalt wären, sondern venezianischen
Ursprungs und Ende des 15. Jh. entstanden seien.
Die
meisten Tarotforscher gehen mit Waite konform, doch hält
sich nach wie vor die Theorie, die ursprünglichen Karten
wären von Gringonneur 1392 geschaffen worden. Mit dieser
These wäre die Theorie allerdings hinfällig, dass
die Zigeuner die Karten nach Europa gebracht hätten,
die diese erst 1411 in Europa erschienen.
Andere
Tarotforscher datieren den Ursprung der Gringonneur-Karten
auf etwa 1470 und verlegen die Herstellung der Karten nach
Ferrara, Italien.
Zur
Entstehung der Visconti-Sforza-Karten
- für die moderne Tarotforschung die Ursprünge
des heute noch bekannten und beliebten Tarot.
Wichtige
Daten in der Geschichte des Tarot
Mitte
des 15. Jh.: Entstehung der Viscont-Karten in Italien
und damit auch der ersten (heute noch bekannten) Trumpfkarten
(Große Arkana).
1760:
Tarot de Marseille, die heute bekannten Darstellungen werden
entwickelt.
Um
1775: Court de Gebelin entdeckt
auf einer seiner Reisen durch Deutschland oder die Schweiz
die Tarotkarten - auch oder gerade für den esoterischen
Gebrauch.
1789:
Eteilla, Anhänger der Lehren
Gebelins, benützt den Tarot erstmals zur Kartenlegung,
besonders während der Französischen Revolution.
1854:
Eliphas Lévi schafft eine Verbindung
von Tarot und hebräischer Mystik (z. B. Kabbala)
1857:
Scheidles "Buch Thot" (eine Übersetzung nach
Eteilla) erscheint.
1870:
Paul Christians Buch "Histoire
de la Magie" erscheint. Damit prägt Christian
auch den Begriff der Arkana und den Tarot als Entwicklungsprozess
der Bewusstwerdung.
1883:
Der Golden Dawn wird gegründet, die Lehre des Tarot
erfäht mit ihm einen neuen Aufschwung. Nach gewissen
Streitigkeiten spalten sich die Anhänger in verschiedene
Lehrmeinungen.
1889:
Papus' Buch "Der Tarot der Zigeuner"
wird aufgelegt.
1898:
A. Crowley beginnt, sich eingehend
mit dem Tarot zu beschäftigen. Er ist einer der ersten
Tarotforscher, die sich auch mit moderner Physik im Zusammenhang
mit dem Tarot beschäftigen.
1910:
Das Tarotset von A. Waite erscheint, erstmals allegorische
Darstellung der Kleinen Arkana.
1944:
A. Crowleys "Buch Thot" erscheint.
Tarotforscher
Gringonneur,
Jaquemin
- gilt in der Tarotforschung als der Erfinder der Spielkarten,
da sich über ihn ein Eintrag m Schatzbuch von Charles
VI. von Frankreich, aus dem Jahr 1392, findet, in dem sein
Sold über die Erstellung von drei vergoldeten und verzierten
Spielkarten aufgeführt wird. Heute existieren noch
17 Kartren des Gringonneur-Spiels, die allerdings weder
Titel noch Numerierung tragen, aber durch ihre Bildsymbolik
mit modernen Tarotkarten verglichen werden können.
Zehn Karten wiederum zeigen große Ähnlichkeit
mit dem "Tarocchi-di-Mantegna-Spiel". Manche Forscher
vermuten allerdings, die Gringonneur-Karten seien im Venedig
des 15. Jh. entstanden. Manche Tarotautoren sehen den Ursprung
dieser Karten auch im 15. Jh. in Ferrara.
Gebelin,
A. Court de - (1719-1784), Pseudonym
für Antoine Court, Pastor der Reformierten Kirche,
Freimaurer und Mystiker. Gilt als Vater des estorischen
Tarot. Er widmete sich ein Leben lang dem Studium der Mythologie,
der Sprachen und der Hyroglyphen. Versuchte im Zuge seiner
Forschungsarbeit eine Art Ursprache zu entdecken, die sich
immer wieder derselben Symbole bedient und damit die Weisheit
der Welt beschreibt und darstellt. Diese Arbeit wurde zwischen
1775 und 1789 in neun Bänden unter dem Titel "Le
Monde Primitif, analysé et comparé avec le
monde moderne" veröffentlicht. Im ersten Band
entwickelt er unter der ÜBerschrift "Du Jeu des
Tarot" seine Theorie vom ägyptischen Ursprung
der Tarotkarten. Gebelin hielt sich im Jahr 1775 in Deutschland
oder der Schweiz auf und kam dort zum ersten Mal mit Tarotkarten
in Berührung. Er sah in ihnen ein altägyptisches
Buch des Gottes Thot, das in Symbolen das Wissen einer ganzen
Kultur beinhalte. Er kam zu der Auffassung, dass der Tarot
nur aus Ägypten stammen könne, da er auf der Zalh
Sieben basiert und unterteilte die vier Sätze des Tarot
in die vier Klassen der Ägypter: Schwerter repräsentieren
Herrscher, das Militär; Stäbe repräsentieren
Landwirtschaft; Kelche repräsentieren Priester, Klerus;
Münzen repräsentieren Handel. Einen weiteren Beweis
für den ägyptischen Ursprung sah Gebelin im Namen
Tarot, den er mit dem ägyptischen Wort Taro (königlicher
Weg des Lebens) gleichsetzte, da auch der Tarot selbst alle
Tugenden und Laster der Menschen beinhaltet und den kompletten
Lebensweg beschreibt. Außerdem zog er das orientalische
Wort "Mat" heran, das sinnlos und abgenützt
bedeutet. In Frankreich wird die Große Arkana "Der
Narr" heute noch "Mat" und in Italien "Matto"
bezeichnet, während auch die Karte des Narren sinnlose
Aktivitäten aufzeigen kann.
Eteilla
- (1738 - 12.12.1791), hieß eigentlich Alliette, drehte
diesen Namen aber aus numerologischen Gründen um. "Le
Grand Eteilla" (Der große Eteilla), wie er auch
genannt wurde, war zu seiner Zeit und besonders während
der unruhigen Tage der Französischen Revolution 1789
als Kartenleger und Wahrsager bekannt. Eteilla war ein großer
Anhänger der Lehren von Gebelin und verfocht anfänglich
den ägyptischen Ursprung des Tarot. Eteilla wird vielfach
als der erste betrachtet, der die Tarotkarten zum Zweck
der Divination (Wahrsagung) verwendete.
Lévi,
Eliphas - (1810 - 1875), Pseudonym für Alphonse
Louis Constant, katholischer Priester, später Lehrer
und Journalist. Als Anhänger von Gebelin beschäftigte
er sich zunehmend mit der Verbindung von Kabbala und Tarot.
Er betrachtete den Tarot als ein in sich komplexes, uraltes
System der westlichen, okkulten Mysterien, als einen Schlüssel
zur ewigen Weisheit.
Christian,
Paul - (1811 - 1877), Pseudonym von Jean-Baptiste Pitois,
Historiker, Journalist und Astrologe. Gab ausschlaggebende
Ansöße in der Entwicklung des Tarot. Auf seinen
Lehren beruht wahrscheinlich auch der Begriff der ARKANA
(Geheimnisse), da er als erster den Tarot auch als Beschreibung
oder Weg einer menschlichen Entwicklung sah. Er war damit
Vorreiter und Vordenker des modernen, psychologischen Tarot.
Papus
- (1865 - 1917), Pseudonym für Dr. Gerard Encausse,
gebildeter frz. Arzt und Philosoph, Physiker, Gründer
und Führer des spirituellen und freimaurerischen Ordens
der Martinisten, zusammen mit de Guaita Gründer des
Kabbalistischen Ordens der Rosenkreuzer. Er war maßgeblich
an der Entwicklung des estorischen Tarot beteiligt. Sah
den Ursprung der Karten allerdings in Atlantis. Papus' Meinung
war, der Tarot wäre geschaffen, um altes Wissen nicht
in Vergessenheit geraten zu lassen, darum wäre der
Tarot auch als Spiel aufgebaut, denn niemals würde
der Mensch vom Spiel lassen können.
Waite
- (1857 - 1941), amerikanischer, estorischer Schriftsteller
und Tarotforscher. Waites Hauptziel war es, den Tarot von
Spekulationen und Gerüchten zu befreien, so distanzierte
er sich nachdrücklich vom angeblichen ägyptischen
Ursprung der Karten und anderen Mutmaßungen. Mit seinem
Buch "Der Bilderschlüssel des Tarot" (engl.
Erstausgabe 1910, dt. 1978) legte er den Grundstein zur
modernen Tarotforschung, da er den Tarot vor allem als Symbolssystem
ansah. Waite bezog sowohl Alchemie als auch Kabbala in das
Verständnis um den Tarot mit ein. 1910 erschien sein
eigenes Tarotdeck: der Rider-Waite-Tarot, das bis heute
noch populärste und vor allen DIngen auch maßgeblichste
Tarotdeck. Waite entwarf die Karten, die von der Künstlerin
Pamela Colman Smith zeichnerisch umgesetzt wurden. Des weiteren
brachte Waite einen neuen Aspekt in die Tarotforscher ein:
die Gralssagen. Er zog dabei Vergleiche des Tarot mit der
christlichen Gralslegende und den alten keltischen Sagen
und Mythen. In seinem 1909 veröffentlichten Buch "The
Hidden Church of the Holy Gral: First Legends and Symbolism"
befasste er sich in einem Kapitel auch mit dem Tarot ("Die
Wiederkehr der Heiligtümer des Gralsmysteriums in den
Talismanen des Tarot"). Dieses Kapitel wurde seinem
1933 erschienenen Buch "The Holy Gral" als Anhang
beigefügt.
Crowley,
Aleister - (1875 - 1947), Pseudonym für Edward
Alexander Crowley, englischer Tarotforscher. Nannte sich
selbst "Das Tier" und betrachtete sich als Inkarnation
von Lévi, da er am Tag vor Lévis Tod geboren
wurde. Obwohl Crowley zusammen mit der Malerin Frieda Harris
einen ägyptischen Tarot schuf, war für ihn der
ägyptische Ursprung des Tarot nicht unumstritten und
vor allem auch nicht sehr relevant. In seinen Tarotinterpretationen
verband Crowley die Lehren des Golden Dawn mit Sexualmagie
und Yoga. Trotz seiner ausschweifenden Eskapaden und manchmal
merkwürdig anmutenden Lehren, war Crowley einer der
ersten, der einen Vergleich zwischen der modernen Naturwissenschaft
und alten überlieferten, meist magisch-okkulten Systemen
erkannte. Er schrieb: "Die Kernaussagen der heutigen
Naturwissenschaft sind viel geheimnisvoller als die dunkelsten
Spekulationen eines Leibniz, Spinoza oder Hegel; die moderne
Definition der Materie erinnert schlagend an die Definition
des Geistes, die Mystiker wie Ruysbroek, Böhme und
Molinos gaben. Die Vorstellung des Kosmos im Geste eines
heutigen Mathematikers hat vrblüffend viel von den
überschwenglichen Phantasien eines William Blake."
(Aus: "Buch Thot")