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Eine
Frau auf dem Papstthron? Ist diese Karte ein Beweis für die
Existenz der legendären Päpstin Johanna (vermutlich 818-858
n. Chr.)?
Zwar
gehen die Meinungen der Tarotforscher bezüglich dieser Karte
noch immer auseinander, doch spricht alles für die These der
Tarotforscherin Getrude Moakley, die in der Päpstin des Tarot
eine Ahnin des Herzogs von Mailand sieht, für den die Karten
möglicherweise geschaffen wurden.
Dennoch
vermuten noch immer viele Tarotforscher hinter der Figur auf der
Karte die legendäre Päpstin Johanna, deren Geschichte
sich als Legende das ganze Mittelalter hindurch hielt. Angeblich
soll eine Frau zum Papst gewählt worden sein und jahrelang
- als Mann verkleidet - dieses Amt versehen haben, bis sie während
einer Prozession anlässlich des Osterfestes eine Fehlgeburt
erlitt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt wurde. Andere
Quellen berichten davon, dass sie im Kindbett gestorben sei. Beachtenswert
erscheint die Symbolik des Osterfestes in diesem Zusammenhang.
Den
Legenden zufolge soll sie zwischen den Päpsten Leo IV (855)
und Benedict III (858) als Papst Johann VIII gewirkt haben. Dennoch
stellt diese Karte keinen Beweis für die Existenz der legendären
Päpstin Johanna dar, da sie höchstwahrscheinlich eine
Frau zeigt, die tatsächlich zur Päpstin gewählt wurde
(wenn auch "nur" von ihren Glaubensbrüdern und -schwestern):
Manfreda Visconti.
Die
Visconti-Päpstin
Sehr
viel wahrscheinlicher aber stellt die Visconti-Päpstin eine
Ahnin Filippo Maria Viscontis (1392-1447, letzter Visconti-Herzog
von Mailand), dar. Im ausgehenden 13. Jh. glaubte die italienische
Sekte der Guglielmiten (dt. Wilhelmiten) an die Wiederaufstehung
(im Jahr 1300) ihres 1281 n. Chr. verstorbenen Gründers Guglielma
von Bohemia. Dieser hatte ihnen prophezeit, dass nach seiner Wiederkehr
Frauen als Päpste regieren würden. Dies vorwegnehmend
wählten die Mitglieder der Sekte Manfreda Visconti zu ihrer
Päpstin.
1300
wurde Manfreda Visconti wegen Häresie und Ketzerei zum Tode
verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Die
Tarotforscherin Getrude Moakley schreibt zur Tarot-Päpstin
in ihrem Buch "The Tarot Card Painted by Bonifazio Bembo":
"Die Päpstin im Visconti-Sforza-Tarocchi ist keiner jener
legendären Frauen (Päpstin Johanna). Ihre religiöse
Tracht zeigt, dass sie dem Orden der Humalitatinnen angehört
und möglicherweise Schwester Manfreda ist, eine Verwandte der
Familie Visconti, die tatsächlich von der kleinen lombardischen
Sekte der Wilhelmiten zum Papst gewählt wurde ..."
Päpstin
und Hohepriesterin
Venezianische
Tarotspiele führten die Figur mit dem Namen "La Papasse"
ein, die im 18. Jh. von Gebelin im Glauben an einen ägyptischen
Ursprung der Karten in "Die Hohepriesterin" umbenannt
wurde.
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